Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind…

Sehr viele meiner Erstgespräche beginnen so.

Im Laufe der Zeit hat sich auch meine Zielgruppe dahin entwickelt. Das ist einfach passiert und jetzt weiß ich auch warum. Weil es bei mir ganz genauso gewesen ist. Die Kinder werden groß und verlassen, so nach und nach, das heimische Nest. Zurück bleiben die Eltern in großen Wohnungen. Zumeist auch mit dem alten Zeug vom Fortpflanz, weil das in der Studentenbude gar nicht gebraucht wird. Bei der Mutter ist eh „genug Platz“. So bleibt es halt bei Mama zu Hause – wo es aber auch keiner braucht. Erinnerungen an die Kindheit, selbstgebastelte Dinge, alte Schulsachen, Sammelbilder und was weiß ich noch alles.

Anfangs bewahrt man auch noch schön brav alles auf, aber mit der Zeit belasten diese ganzen Dinge. Oft ist es so, dass auch noch nahe Angehörige sterben und auch von ihnen kommen viele Erinnerungsstücke und Erbstücke ins Haus. Aber es werden auch die Stücke, die man nicht hergeben kann, “weil sie einmal so viel Geld gekostet haben“, immer mehr.

Und mit der Zeit kommt tief in einem drinnen der Gedanke: „Eigentlich mag ich das alles gar nicht …“

…. ich möchte ein eigenes Zimmer für mich…

… ich möchte weniger Zeit mit putzen verbringen…

… ich möchte einfach freier sein…

Auch bei mir kamen nach dem Auszug der Kinder verschiedene Gedanken auf – und mein Mann war anfangs sehr irritiert, das könnt ihr mir glauben…J J J

Und so begann ich auszusortieren….

  • Die Dekorationsartikel wurden drastisch reduziert.
  • Romane und Bücher die ich schon gelesen hatte, kamen weg.
  • Alle Fotos wurden durchgesehen und aussortiert. Fotos von Menschen, zu denen ich keinerlei Bezug mehr habe, (ehemalige Arbeitskollegen, zu denen ich nicht mal mehr den Namen wusste) abgeschnittene Gesichter, verwackelte Aufnahmen… kamen weg.
  • Die Basteleien meiner Kinder: die wichtigsten Stücke sind in der Wohnung ausgestellt. Einige schöne Stücke sind noch in meiner Erinnerungskiste. Aus den schönsten ihrer Zeichnungen habe ich eine Mappe gemacht – der Rest kam weg. (sorry Jungs, ich liebe euch trotzdem J)
  • Christbaumkugeln und Weihnachtsdekoration bis zum Abwinken: vier Farbfamilien habe ich aufbewahrt, sämtlicher anderer Kitsch ist verschwunden. Ich dekoriere zu Weihnachten sehr minimalistisch nur mit echten Kerzen und Naturmaterialien.

Und so wurde mein Zeug immer weniger, die Wohnung immer übersichtlicher und meine Gedanken freier, sogar bis zu meinem Schritt in die Selbständigkeit.

Auch heute ist es noch so:

Wenn ich mit meinen Gedanken feststecke, beginne ich auszusortieren. Dann bewegt sich wieder etwas…

Um wieder auf meine Zielgruppe zurück zu kommen. Viele dieser Frauen (JA Frauen. Männer misten entweder rigoros aus oder trennen sich nicht von ihrem Zeug – ist so…) kommen allein nicht weiter.

  • Sie verlieren sich dabei, stundenlang die Schulhefte der Kinder durchzusehen…
  • Sie blättern gedankenverloren in den Erinnerungsbriefen der verstorbenen Mutter
  • Sie sitzen und schauen ewig lange die Fotos durch, die sie eigentlich aussortieren wollten. Und kommen dabei nicht weiter…
  • Sie hätten gerne mehr Raum für sich, weniger zu putzen, das Teeservice von Tante Hertha passt nicht mehr zum heutigen Einrichtungsstil, aber weggeben???

Und all diese Menschen nehme ich behutsam an der Hand. Keine Sorge: Ich nehme niemandem etwas weg! Aber ich hinterfrage. Ich merke jedes Zögern bei meinen Kundinnen. Aber wenn ich höre: „Das kommt nicht weg!“, dann bleibt es auch.

Aber mit mir an der Seite gelingt es leichter, die Vergangenheit loszulassen und mit weniger auszukommen.

…dann wird vielleicht plötzlich ein Zimmer frei, das man nach den eigenen Wünschen einrichten kann.

… man hat weniger zu putzen, weil weniger rumsteht…

…auf einmal ist Zeit, um einem neuen Hobby nachzugehen oder spontan zu verreisen…

Mein Leitspruch ist: „Altes loslassen, um Raum für Neues zu schaffen“

 

Gerne betreue ich meine Kundinnen über einen längeren Zeitraum, aber die schönsten Momente sind, wenn ich höre: Danke für deine Hilfe, aber ich komme jetzt allein weiter…